VR-Mitglieder-Forum widmet sich der aktuellen europäischen Finanzsituation Stadtlohn. „Wir haben keine Eurokrise, wir stecken in einer Schuldenkrise." So lautete das Fazit von Professor Dr. Andreas Pfingsten als Gastredner auf dem VR-MitgliederForum der VR-Bank Westmünsterland im Kompetenz-Centrum Stadtlohn. Der Direktor des Lehrstuhls für Bankenbetriebslehre an der Universität Münster schlüsselte in anschaulicher Weise das Thema „Die Rolle der Banken in der Schuldenkrise" auf. Zentraler Punkt war dabei die Diskussion um die Zusammenhänge und Auswirkungen der gegenwärtigen Krise in Europa um Griechenland. „Wir haben uns dermaßen an eine Staatsverschuldung gewöhnt, dass wir uns schon freuen, wenn die Nettoverschuldung niedriger ist als die des Vorjahres", brachte Pfingsten das heutige Verständnis auf den Punkt. Dass sich ein Staat auch überschulden kann, sei nahezu überhaupt gar nicht in den Köpfen der Menschen manifestiert. Im Falle Griechenlands sei es zu einer Überverschuldung gekommen, weil die Banken in der Vergangenheit immer davon ausgegangen wären, dass ein Staat nicht bankrott oder insolvent gehen könne. Deshalb hätten Banken Staaten immer als sichere Kreditnehmer gesehen. Aber: Im Gegensatz zu Insolvenzen bei Privatleuten und Unternehmen gebe es bei einer Staatsinsolvenz kaum umsetzbare Zwangsmaßnahmen für die Banken, da die Staaten auch nach einem finanziellen Zusammenbruch weiterhin bestünden. Das einzige Druckmittel der Banken sei es, die Kreditwürdigkeit des Staates herunterstufen zu lassen. „Dies haben die Ratingagenruren auch gemacht, aber viel zu spät", bemängelte Pfingsten. „Letztlich haben sich die Eurostaaten für die Rettung Griechenlands aus dem Grund entschieden, die Rettung der Geldeinlagen der Bankkunden zu sichern", fasste Pfingsten zusammen. Anders: „Wenn wir einen Staat retten, so retten wir letztendlich auch die Funktionsfähigkeit der Banken - also die Sicherstellung, dass auch die lokale Wirtschaft weiter mit Krediten versorgt werden kann", machte Prof. Pfingsten die Banken mitverantwortlich für die Schuldenkrise. Das VR-Mitglieder-Forum sei aufgrund des „Internationales Jahres der Genossenschaften" angeregt worden, konnte Niederlassungsleiter Ludger Hillinann verkünden. Berthold te Vrügt, Generalbevollmächtigter der VR-Bank, führte in die Thematik ein: „Es wurde versäumt, die Maastricht-Kriterien strikter einzuhalten und zu kontrollieren.", Claus Hofschulte, Vermögensberater, brach das Thema auf die Auswirkungen auf das eigene Spar- und An-lageverhalten herunter. Quelle: Münsterlandzeitung vom 29.05.2012 |